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20.05.2012 Rückkehr von „Tante Emma“ soll Dorf bel

Hallendorf

Immer mehr Dörfer sterben aus, verlieren ihr Gewerbe und ihre Dienstleister. Hallendorf will sich wehren – mit dem ersten DORV-Projekt der Region.

Von Michael Kothe

Vize-Ortsbürgermeister Marco Kreit (SPD) zieht eine trübe Bilanz. Hallendorf habe zu wenig Einwohner, zu geringe Besiedlung – mangels rosiger Umsatz-Aussicht mag keine Lebensmittelkette im 1500-Seelen-Ort Geschäfte machen. Auch die TAG Immobilien AG habe sich als größter Wohnungsvermieter am Ort vergeblich bemüht, einen Supermarkt nach Hallendorf zu holen. So hätten denn auch Banken oder Versicherungen abgewinkt, resümiert Kreit.

Doch der Politiker gibt nicht auf. Als Retter in der Not könnten sich die Werkstätten des Christlichen Jugenddorfwerks (CJD) in Hallendorf erweisen.

Dessen Leiter Wendelin Leinhäuser hat über eine Machbarkeitsstudie ermitteln lassen, dass der Ort gut geeignet ist für die Gründung eines DORV-Zentrums (DORV: Dienstleistungen und ortsnahe Rundumversorgung). Fazit der Gutachter: Würden nur zwölf Prozent davon täglich an Hallendorf gebunden, rentiere sich der Betrieb eines rund 200 Quadratmeter großen Tante-Emma-Ladens mit kleinem Klön-Café mitten im Dorf.

Um das tägliche Angebot zu sichern, wollen die Werkstätten selbst ins Projekt einsteigen, „ein Stück Inklusion im Ort verwirklichen“, wie Leinhäuser betont. Das heißt im Klartext: Die Einrichtung mietet beispielsweise geeignete Räume im Erdgeschoss eines zentral gelegenen Wohnblocks, stellt einen für den Betrieb verantwortlichen Einzelhandelskaufmann ein. Dieser wird von vier Menschen mit Behinderungen aus den Werkstätten unterstützt.

Doch Verhandlungen über mögliche Geschäftsräume laufen laut Leinhäuser noch. Zudem setzt der Jugenddorfleiter auf eine Bürgerversammlung am Dienstag, 10. Juli, ab 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus am Maangarten. Dort wird das DORV-Projekt von Fachleuten vorgestellt und um breite Unterstützung geworben.