18.05.2012 Zu Besuch bei »Tante Emma« Delegation

Delegation aus Häger besichtigt DORV-Zentrum in Jülich-Barmen – Bürgermeisterin angetan vom Konzept

Von Marco Purkhart

Werther-Häger (WB).

Da kauft man gerne ein: Die Dorfgemeinschaft Häger hat zusammen mit Marion Weike das DORV-Zentrum in Jülich-Barmen besichtigt. Die Bürgermeisterin zeigt sich vom innovativen Konzept begeistert und ist sicher: »Auch für Häger wäre solch ein Laden eine große Bereicherung.« Die Bürgermeisterin hat die Reisegruppe der Dorfgemeinschaft begleitet, der sich auch Hägers Pastor Hartmut Splitter anschloss. Die Hägeraner wollten sich im rheinischen Jülich-Barmen ein Bild davon machen, wie sich die Menschen dort gegen das Aussterben ihres Dorfes gewehrt haben. In dem Ort mit 1400 Einwohnern gibt es seit sieben Jahren ein gut funktionierendes DORV-Zentrum, eine Art modernen Tante-Emma-Laden zur Nahversorgung. »Ein faszinierendes Konzept«, sagt Marion Weike.

Was sie besonders beeindruckte: »Es gibt dort ganz viele Frischwaren aus der Region – und zwar zu einem vernünftigen Preis.« Der 150 Quadratmeter große Laden bietet Fleisch, Wurst, Käse, Brot- und Backwaren sowie Obst und Gemüse. Aber auch von allen anderen Dingen des täglichen Bedarfs, einschließlich Schreibwaren und Zeitschriften, ist ein Mindestangebot vorhanden.

Man nimmt bewusst in Kauf, dass Großeinkäufe weiterhin in den einige Kilometer entfernten Supermärkten getätigt werden. »Eine ähnliche Situation haben wir ja auch in Häger. Es muss für die Menschen ein großes Gefühl von Lebensqualität sein, kleinere Einkäufe mal eben zu Fuß vor Ort erledigen zu können«, berichtet Weike von ihren Eindrücken.

Zwei Vollzeitkräfte und vier Mitarbeiterinnen auf 400-Euro-Basis bewältigen die vielfältigen Aufgaben in Barmen. Wichtig ist allen Beteiligten die Integration des Zentrums in das Dorfleben. Kinder kommen selbständig zum Einkaufen, für ältere Mitbewohner gibt es einen Lieferservice, für einen kleinen Klön bei einer Tasse Kaffee ist immer Zeit. Senioren können ihre Selbständigkeit behalten und ihre Einkäufe selber tätigen.

Dazu gehört auch der Geldautomat, den die örtliche Sparkasse dort aufgestellt hat. Mittlerweile gibt es im und am DORV-Zentrum sogar drei Arztpraxen: Der Zahnarzt, der schon immer dort ansässig war, hat bewirkt, dass sich jetzt auch eine Kieferorthopädin niedergelassen hat. Zeitweise hält auch ein praktischer Arzt seine Sprechstunden dort ab.

»Solch eine Entwicklung ist schon erstaunlich. Man spürt förmlich, dass dieses Zentrum das Herz des Dorfes geworden ist«, berichtet Marion Weike, die in Barmen ein intensives Zusammengehörigkeitsgefühl im DORV-Laden gespürt haben will. Die Bürgermeisterin zeigt sich zuversichtlich, dass das DORV-Konzept auch in Häger funktionieren könnte. Die Frage lautet nur: Gelten in dem Wertheraner Ortsteil die Rahmenbedingungen, damit ein solcher DORV-Laden auch wirtschaftlich sein kann?

Antworten soll eine Basisanalyse liefern, die die DORV-Zentrum GmbH anbietet. Dabei wird der Ort durchleuchtet: Einwohnerzahl? Wie ist die Infrastruktur? Gibt es noch einen Bäcker oder eine Bank? Was fehlt? Und ist das nötige bürgerschaftliche Engagement vorhanden?

Solch eine Analyse kostet mehrere Tausend Euro, die die Dorfgemeinschaft Häger nicht alleine aufbringen kann. Marion Weike will sich dafür stark machen, dass die Stadt die Hägeraner unterstützt: »Ich werde für einen solchen Zuschuss in der Politik werben. Das ist gut investiertes Geld, da bin ich sicher.«

Die Dorfgemeinschaft will zeitnah einen Förderantrag stellen, über den der Finanzausschuss der Stadt zu befinden hat. Schon jetzt kann sich die Dorfgemeinschaft über eine Zusage der Volksbank Halle freuen, die sich mit 1500 Euro an den Kosten beteiligen will.